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Interviewreihe: Attraktiv ausbilden! Wie können wir dem fortschreitenden Fachkräftemangel entgegenwirken?

Thorsten Wolff, Ausbildungsleiter beim Leverkusener Pressegrossist QTRADO, spricht über Veränderungen auf dem Bewerbermarkt, den Stellenwert einer Berufsausbildung und was ihm bei Ausbildung und Auszubildendem besonders wichtig ist.

Blickt man heute auf den Arbeitsmarkt, fällt vor allem eins auf: Zahlreiche vakante Stellen. Die Entwicklung vom Arbeitgebermarkt zum Bewerbermarkt ist längst fortgeschritten und hat sich durch die Corona-Pandemie weiter verstärkt. Der „War of talents“ ist entfacht. Das hat zur Folge, dass Gehälter steigen und Stellen unbesetzt bleiben.

Insbesondere in der Ausbildung fällt es Unternehmen schwer, geeignete Bewerber zu finden. Gründe dafür könnten eine Überakademisierung oder auch die Verlagerung von MINT-Berufen ins Ausland sein.

Dem möchten wir am Standort Leverkusen entgegenwirken: Mit Schulen und Kursen, die sich auf MINT-Themen spezialisiert haben, dem Campus Leverkusen der Technischen Hochschule Köln oder unserem Innovationszentrum Probierwerk. Das Ziel: Junge Menschen für technische Berufe begeistern.

Dazu gehen wir dem Thema „Fachkräftemangel“ in den kommenden Wochen weiter auf den Grund und sprechen mit Unternehmen, Ausbildern und Führungskräften, um nicht nur Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven zu ermöglichen, sondern auch Lösungsansätze herauszustellen.

WfL: Wie viele Ausbildungsplätze bieten Sie im Jahr an und haben Sie Schwierigkeiten diese zu besetzen?

Wolff: Wir bieten pro Jahr drei Ausbildungsplätze zum / zur Medienkaufmann / Medienkauffrau Digital und Print an. Für den Ausbildungsstart 2022 sind alle Ausbildungsplätze besetzt, für den Ausbildungsstart 2023 suchen wir nun drei neue Auszubildende.

Die qualifizierte Besetzung der Ausbildungsplätze fällt uns von Jahr zu Jahr schwerer. Dies liegt einerseits an einem starken quantitativen Rückgang der Bewerbungen (vor 5 Jahren hatten wir noch eine dreistelligen Anzahl von Bewerbungen, ist im letzten Jahr auf eine kleine zweistelligen Zahl von Bewerbungen zurückgegangen) und andererseits hat auch die Qualität der Bewerbungen / Qualifikation der Bewerber nachgelassen. Dies alles führt dazu, dass die Besetzung unserer Ausbildungsplätze immer schwieriger wird und wir vielleicht auch überlegen müssen einen Ausbildungsplatz unbesetzt zu lassen.

 

WfL: Was ist Ihnen bei einem potenziellen Azubi besonders wichtig?

Wolff: Die Ausbildung zu Medienkaufleuten Digital und Print ist anspruchsvoll, so dass wir für einen erfolgreichen Abschluss im Vorfeld den Nachweis eines guten Abschlusses mit Fachhochschulreife oder Abitur erwarten (in den Hauptfächern befriedigend oder besser). Daneben kommt es aber auch stark auf die Persönlichkeit eines  potenziellen Azubis an. Der neue Azubi wird im Team in den Abteilungen und auch innerhalb des Azubi-Teams in alle Aufgabengebiete eingebunden, so dass wir im Vorstellungsgespräch versuchen herauszufinden ob der potenzielle Azubi in diese Teams passt.

 

WfL: Was muss einen Ausbildungsplatz heute auszeichnen um wettbewerbsfähig zu sein?

Wolff: Es muss ein Umfeld bestehen, damit die Azubis gerne ihre Ausbildung absolvieren. Also eine offene Atmosphäre, mit ausreichend Zeit um den Azubis alle relevanten Inhalte vorzustellen. Dabei sollten die Azubis schrittweise in die Aufgaben hereinwachsen, also learning-by-doing, selber machen und aus Fehlern lernen. In einem Ausbildungsrahmen mit Fehlertoleranz und dem Mut, z. B. innerhalb von Azubi-Projekten den Azubis auch mehr Verantwortung zu geben und die von ihnen geplanten Aktionen auch tatsächlich so umzusetzen. Über unsere Kommunikationsmaßnahmen müssen wir versuchen, diese Inhalte an mögliche Bewerber zu vermitteln.

 

WfL: Wenn Sie sich etwas von Bildungssystem und Politik wünschen könnten – was wäre das?

Wolff: In unserer Gesellschaft sollte nicht mehr die Auffassung herrschen, dass eine berufliche Karriere nur über Abitur und ein Studium möglich ist. Unserer Gesellschaft kann nicht bestehen, wenn es nur Akademiker gibt, aber keine Fachkräfte die qualifiziert Aufgaben erfüllen können. Durch eine Berufsausbildung stehen alle Türen offen - man kann nach der Ausbildung mit einem guten Gehalt direkt im Beruf durchstarten oder sich weiter qualifizieren oder auch noch studieren, auch berufsbegleitend. Die praktische Erfahrung ist ein wertvoller Grundstein für das Berufsleben aber auch für Weiterbildungen.

Die Aufgabe von  Bildungssystem und Politik sehe ich darin, diesen Sinneswandel zu begleiten. Daneben müssen aber auch Kernkompetenzen, z. B. Rechtschreibung und Grammatik, weiter gefördert werden. Dazu gehört auch ein Teil Lebenserfahrung mit ersten wirtschaftlichen und rechtlichen Grundkenntnissen. Wir beobachten seit einigen Jahren, dass diese Kenntnisse immer weniger vorhanden sind und so in der Ausbildung noch Basisarbeit geleistet werden muss


WfL: Vielen Dank für Ihre Einschätzung!


Die Ausbildung als zentraler Faktor im Bereich Fachkräftemangel: Doch so einfach das Fazit über die Lippen kommt, so komplex ist die Umsetzung. Woran liegt es? Gibt es eine Lösung? Mit den kommenden Interviews möchten wir diesen Fragen weiter auf den Grund gehen. Jeden Monat finden Sie hier auf unserer Homepage einen neuen Beitrag.

Sie möchten etwas zu dem Thema beitragen, haben Anregungen oder Kritik? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an Ansprechpartnerin Patrizia Emgenbroich.

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