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Attraktiv ausbilden! Wie können wir dem fortschreitenden Fachkräftemangel entgegenwirken?

Tilman Liebert, Projektreferent „Ausbildung 4.0 – Wir machen Sie fit!“ bei der GBFW / IHK Köln spricht über den digitalen Wandel, die steigende Bedeutung einer sinnstiftenden Tätigkeit und wie Unternehmen es schaffen, junge Menschen für einen Ausbildungsplatz zu begeistern.

Blickt man heute auf den Arbeitsmarkt, fällt vor allem eins auf: Zahlreiche vakante Stellen. Die Entwicklung vom Arbeitgebermarkt zum Bewerbermarkt ist längst fortgeschritten und hat sich durch die Corona-Pandemie weiter verstärkt. Der „War of talents“ ist entfacht. Das hat zur Folge, dass Gehälter steigen und Stellen unbesetzt bleiben.

Insbesondere in der Ausbildung fällt es Unternehmen schwer, geeignete Bewerber zu finden. Gründe dafür könnten eine Überakademisierung oder auch die Verlagerung von MINT-Berufen ins Ausland sein.

Dem möchten wir am Standort Leverkusen entgegenwirken: Mit Schulen und Kursen, die sich auf MINT-Themen spezialisiert haben, dem Campus Leverkusen der Technischen Hochschule Köln oder unserem Innovationszentrum Probierwerk. Das Ziel: Junge Menschen für technische Berufe begeistern.

Dazu gehen wir dem Thema „Fachkräftemangel“ in den kommenden Wochen weiter auf den Grund und sprechen mit Unternehmen, Ausbildern und Führungskräften, um nicht nur Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven zu ermöglichen, sondern auch Lösungsansätze herauszustellen.

WfL: Wie spüren Sie den Fachkräftemangel in der Region?

Liebert: Wir unterstützen mit unserem Projekt Ausbildungsbetriebe im digitalen Wandel in der Region der IHK Köln, also auch in Leverkusen. Dabei haben wir verschiedene Formate entwickelt, z.B. Schulungen oder Werkstätten – vor allem für kleine und mittlere Unternehmen. Immer wenn es um die Stärkung der Arbeitgebermarke geht, etwa im Online Seminar „Azubimarketing 4.0“, springen die Anmeldungen nach oben. Ausbildungsbetriebe berichten uns regelmäßig bei Veranstaltungen und Stammtischen über die Herausforderung, Bewerbungen für offene Ausbildungsplätze zu erhalten. Die Zahlen gestalten ein ähnliches Bild. Es bleiben Jahr für Jahr viele Ausbildungsplätze zum 1.8. unbesetzt, beschleunigt in den letzten zwei Jahren durch die Folgen der Pandemie und Demografie.

 

WfL: Haben die Azubis von heute und die Unternehmen unterschiedliche Ansprüche an sich selbst und die Rahmenbedingungen des Jobs? Was hat sich verändert?

Liebert: Schauen wir erst einmal auf die Unternehmen. Viele Unternehmen bleiben in ihrer Ansprache bei den bisherigen Formulierungen und Aktivitäten. Da sehen wir im Projekt des Öfteren Handlungsbedarf. Gerade die Formulierungen und Darstellung des Ausbildungsangebots sollten erste Fragen klären und keine Neuen aufwerfen. Jugendliche entscheiden sich heute eher für ein Unternehmen, weil es eine gute Work-Life-Balance bietet, schon frühzeitig Eigenverantwortung ermöglicht und über die Nachhaltigkeit von eigenen Dienstleistungen und Produkten im Bilde ist. Gerade letzterer Punkt geht einher mit einem anderen Verständnis der „Jugend“ von Arbeit: Eine sinnstiftende Tätigkeit scheint an Bedeutung zu gewinnen. Dem steht eine gute und vor allem große Auswahl an Stellen gegenüber und die Möglichkeit, auch kurzfristig noch einen anderen Ausbildungsweg einzuschlagen. Das macht es Unternehmen (leider) nicht einfacher. Die Jugend ist ein rares Gut und manchmal tut es auch Not, die eine oder andere Ausbildungsmethode auf den Prüfstand zu stellen. Das wird z.B. beim Feedback an die Azubis deutlich, dass an Bedeutung gewonnen hat und in hoher Frequenz gewünscht wird.

 

WfL: Was können wir verbessern, um dem fortschreitenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

Liebert: Das System der Berufsausbildung funktioniert gut und wird auch, wenn wir schaffen das Interesse bei den Jugendlichen zu halten oder gar auszubauen, weiter gut funktionieren. Jugendliche erhalten in einer Ausbildung schon früh Eigenverantwortung und legen einen perfekten Grundstein für eine berufliche Karriere, deren Gestaltung ganz individuell weiterlaufen kann. Unternehmen tun gut daran, sich modern aufzustellen und für die nötige Sichtbarkeit zu sorgen. Sie können mit guten Beispielen und Geschichten von Karrierewegen zeigen, wie viel ein Weg als Facharbeiter oder Facharbeiterin wert ist – auch in Abgrenzung aber auf gleiche Augenhöhe - zum Studium. Dabei helfen Kooperationen mit Schulen oder neue digitale Möglichkeiten: Das Unternehmen mit einer VR-Tour vorstellen, Einblicke in die Berufswelt geben oder Azubis, die per Social Media Reels oder Fotos vom Arbeitsalltag teilen.

WfL: Vielen Dank für Ihre Einschätzung!


Die Ausbildung als zentraler Faktor im Bereich Fachkräftemangel: Doch so einfach das Fazit über die Lippen kommt, so komplex ist die Umsetzung. Woran liegt es? Gibt es eine Lösung? Mit den kommenden Interviews möchten wir diesen Fragen weiter auf den Grund gehen. Jeden Monat finden Sie hier auf unserer Homepage einen neuen Beitrag.

Sie möchten etwas zu dem Thema beitragen, haben Anregungen oder Kritik? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an Ansprechpartnerin Patrizia Emgenbroich.

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